Form/Prim

form wird klein geschrieben. Das war es dann aber auch mit der Zurückhal- tung. Der Mann mit Hang zu allem, was sich mit der Sprache und der Musik anstellen lässt (von Filmmusik über Gedichte, ein paar hochgradig aggres- sive Poetry Slams bis hin zu Jubelprosa und politischen Pamphleten) knallt überall hin, wo es ihm beliebt. Und tut Dinge, die noch niemand mit Rap tat. Rap freut sich, denn Rap beschwert sich ja sonst immer über die fehlende Innovation. form aka Phänoman liefert genau diese:
Im Iran ein Rapvideo drehen, auf Schwäbisch, Portugiesisch, Englisch, Französisch und gar Deutsch die Sprache feiern, als Rapper trotzdem sym- pathisch sein (!), keinen Spagat zwischen irgendwelchen Dingen, sondern absolut alle Dinge gleichzeitig zu machen, Rückwärtsreime, Silben- und Flowdekonstruktionen, Instrumental-EPs, Gesangsexperimente, die sich prompt als Radiohits verdingen, 37-Track-mit-je-zehn-Sekunden-Länge- EPs und so. Dass dann mitunter jegliche Erwartungshaltung an „wirklichen“ Rap – damals, als er noch real war – zu Brei zerstampft und den kunstfeind- lichen Gartennazis in den Hals gestopft wird, ist Ehrensache.
Und bei alldem ein Gutmensch sein. Ja, ein Gutmensch.
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